VAAS hilft bei finanziellen Engpässen
Arbeitsgruppe «Versteckte Armut in Allschwil-Schönenbuch» hilft
rasch und unkompliziert
Die ökumenische Arbeitsgruppe «Versteckte Armut in Allschwil-Schönenbuch» hilft
Menschen, die knapp am oder unter dem Existenzminimum leben, finanzielle
Engpässe zu überwinden. Das Modell wurde am 1. ökumenischen
Diakonietag Baselland am Tagungsort Leuenberg in Hölstein vorgestellt.»
Es gibt in Allschwil und Schönenbuch Menschen, die ab Mitte Monat
nichts mehr zu essen haben», erzählt Raymond Bulloni. Der
Pensionierte ist seit zwölf Jahren Mitglied der ökumenischen
Arbeitsgruppe Versteckte Armut in Allschwil-Schönenbuch (AG VAAS)
und begleitet Menschen in finanziellen Notlagen. Menschen, denen man
die Armut oft nicht ansieht. «Ich lernte eine für mich neue
Welt kennen.» Die Welt der Asylsuchenden, Arbeitslosen, Randständigen
und damit den Alltag jener Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des
Lebens stehen. «Ich habe sehr viel gelernt. Lebenssituationen,
von denen ich gar nicht wusste, dass es sie gibt», sagt Bulloni.
Die
VAAS-Gruppe besteht aus neun bis zehn Personen der katholischen und reformierten
Kirchgemeinden Allschwil-Schönenbuch. Die Leitung
teilen sich der katholische Gemeindeleiter Norbert Malsbender und die
reformierte Pfarrerin Elke Hofheinz. Ein Ausschuss nimmt die Gesuche
entgegen, trifft Vorabklärungen und bereitet einen Vorschlag vor.
An zehn Sitzungen pro Jahr werden die Gesuche behandelt. Dabei werden
auch immaterielle Hilfen, die Weiterweisung an die Sozialen Dienste oder
Gesuche an andere karitative Organisationen diskutiert.
Pro Sitzung werden
vier bis acht Gesuche behandelt. Bei Gesuchen bis Fr. 500.– kann ein Gruppenmitglied in Absprache mit einem zweiten
Gruppenmitglied entscheiden. Bei höheren Beträgen braucht es
den Beschluss der Gesamtgruppe. Manchmal schrei¬ben die Sozialen
Dienste die Gesuche an die Arbeitsgruppe, beispielsweise wenn jemand
schnelle, unbürokratische Hilfe braucht, oder in Fällen, in
denen die Sozialen Dienste aufgrund der Reglemente keine Unterstützung
leisten dürfen, diese aber grundsätzlich als sinnvoll erachten.

Der katholische
Gemeindeleiter Norbert Malsbender im Gespräch
mit der reformierten
Pfarrerin Elke Hofheinz.
Den Menschen sehen
Die VAAS hilft Menschen, die am oder unter dem Existenzminimum leben,
akute finanzielle Notlagen zu überbrücken. Beispielsweise bei
unvorhergesehenen Rechnungen, die eine Person oder eine Familie nicht
mehr aus eigener Kraft bezahlen kann. Das kann eine Zahnarztrechnung
sein, ein Ferienlager für ein Kind oder auch eine Weiterbildung,
die die Situation auf lange Sicht verbessert. Für langfristige Unterstützung
sind die Sozialen Dienste zuständig. Die VAAS hilft Menschen, die
zwischen die Maschen der Reglemente fallen und für die niemand zuständig
ist.
Zwei Beispiele: Ein selbstständig Erwerbender pflegt seine kranke
Partnerin und hat dadurch immer weniger Einkünfte. Seine finanzielle
Situation verschärft sich. Nach dem Tod seiner Partnerin hilft ihm
die VAAS, seine Finanzen wieder in den Griff zu bekommen, indem sie für
eine kurze Zeit einen Teil der Lebenskosten übernimmt. Gleichzeitig
unterstützt sie ihn dabei, nachhaltige Lösungen zu finden.
Der Mann sucht einen Untermieter und kann so die Mietkosten reduzieren. «Dadurch
wurden in ihm neue Kräfte freigesetzt, so dass er auch seine anderen
Probleme angehen konnte», berichtet Hofheinz.
Das zweite Beispiel:
Ein Sozialhilfebezüger wünscht sich einen
Schrebergarten, doch das Geld reicht nicht für die Pacht. Die Arbeit
im Schrebergarten würde dem Mann jedoch gut tun. Er hätte eine
Beschäftigung und käme mit anderen Menschen in Kontakt. In
diesem Fall hat die VAAS einen Teil der Pacht übernommen.
Nur selten übernimmt
die VAAS die gesamten Kosten eines Antrages. Die Gesuchsteller müssen
selber einen Beitrag leisten. «So
behalten sie die Verantwortung für ihr Leben», sagt Hofheinz.
Für die VAAS-Gruppe ist es wichtig, nicht nur das Portemonnaie zu
zücken, sondern auch, dass die Menschen ihre Würde behalten. «Wir
möchten eine Begleitung auf Augenhöhe bieten», betont
Malsbender. Das kann heissen, dass die VAAS einem ausländischen,
kaum Deutsch sprechenden Langzeitarbeitslosen, der isoliert in einer
Einzimmerwohnung lebt, eine stundenweise Arbeit im Kirchenzentrum vermittelt.
Mit dem Lohn kann er die Hälfte eines Deutschkurses bezahlen. Der
Mann hat eine Aufgabe und kommt aus seiner Isolation heraus.
Auch Arme haben Wünsche
Weitere Hilfsangebote der VAAS sind die Weihnachtspaketaktion und der
Sommer- oder Weihnachtsbatzen: «Geld, das sie brauchen können,
wie sie es möchten, ohne jemandem Red und Antwort stehen zu müssen»,
sagt Hofheinz. Dies sei oft ein kleiner, persönlicher Luxus, der
für andere selbstverständlich ist, beispielsweise ein Kinobesuch
oder ein Besuch im Zoo. Bei der Weihnachtspaketaktion macht die VAAS
eine anonymisierte Beschreibung der Lebenssituation eines Empfängers.
Mit diesen Angaben stellen Spender ein Paket mit Lebensmitteln zusammen.
Die VAAS-Gruppe verteilt die Pakete.
Die AG VAAS wurde im Anschluss an
die ökumenische Versammlung «Frieden
in Gerechtigkeit» 1989 gegründet, mit dem Ziel, für die
Situation der neuen Armutsbetroffenen zu sensibilisieren. «Wir
wollten lediglich informieren, doch bei den Veranstaltungen erhielten
wir erste Spenden», erinnert sich Malsbender. Um dieses Geld sinnvoll
zu verteilen, gründeten die Allschwiler Kirchgemeinden die AG VAAS.
Heute ist sie in Allschwil und Schönenbuch eine anerkannte Hilfsorganisation,
die von privater Seite und den Kirchgemeinden unterstützt wird. «Das
zeigt mir, dass wir nach wie vor in einer solidarischen Gesellschaft
leben», betont Malsbender.
Cornelia Thürlemann
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